2018-07-18  Gerolstein → Idar-Oberstein

62ter TagAbfahrt08:37Distanz113,79kmHm ↑1790m
50te EtappeAnkunft15:59Insgesamt5275,61kmHm ↓1905m

Zweiter Teil der Durchquerung von Eifel, Hunsrück und Pfalz. Ich war gespannt, was GPSies an Gesamtanstieg für die heutige Etappe ausgeben würde: 1790Hm. Das ist ein deutliches Stück mehr, als beim bisherigen Spitzenreiter, der Etappe auf der Route des Cretes durch die Vogesen. Damals waren es 1698Hm (und nur 77km). Kein Wunder, dass mir am Ende des letzten großen Anstiegs heute ein bisschen der Saft ausging.

Wohl oder übel hatte ich in der Jugendherberge Gerolstein gefrühstückt, weil man dort Übernachtung ohne Frühstück nicht buchen konnte. Ich versuchte soviel wie möglich vor dem Frühstück zu erledigen, um nach dem Frühstück möglichst schnell starten zu können. Ich erschien auch 10 Minuten vor dem offiziellen Frühstücksbeginn am Buffet. Das meiste war auch schon verfügbar. Das hat aber leider alles nicht viel gebracht. Ich kam erst um 8:36 los.

Leider konnte ich mir die Lage der Jugendherberge hoch über dem Kylltal nicht zunutze machen. Ich musste zuerst mal wieder runter ins Tal, um ein paar Kilometer weiter bei Pelm wieder aus diesem heraus zu klettern. Das war schon mal der erste große Anstieg des Tages. Gute 200 Höhenmeter waren zu bewältigen. Hinten ging’s mit bis zu 60km/h hinunter nach Daun. Dann kam schon gleich der zweite Anstieg (ca. 150m) hinauf bis zum Rand des Weinfelder Maars. Ich hatte die Route extra so gelegt, um endlich mal ein Maar (ein Vulkankratersee) mit eigenen Augen zu sehen. Es war so groß, dass ich es nicht auf einem Bild ablichten konnte. Hier der Mittelteil des Panoramas, das ich zu Hause zusammen setzen werde.

Weinfelder Maar

In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es noch das Gemündener Maar (kam ich nicht vorbei) und das Schalkenmehrener Maar. Letzteres ist nicht kreisförmig, sondern eher herzförmig, weil es sich aus zwei Kratern zusammen setzt. Es gibt in der gleichen Senke sogar noch zwei weitere Krater, deren Kraterseen allerdings bereits verlandet sind, weshalb man sie nur mit geschultem Auge erkennt. (Ich habe kein geschultes Auge, sondern eine der Infotafeln gelesen.)

Ab hier begann eine etwa 45km lange Abfahrt - mit einigen kleineren Anstiegen zwischendurch. Bei Hasborn stieß ich auf den Maare-Mosel-Radweg, der einer ehemaligen Bahntrasse bis zur Mosel hinunter folgt. Ich hatte diesen Radweg bei meiner Routenplanung am Vorabend bereits in Erwägung gezogen, aber aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen dann doch nicht in meine Route eingebaut. Jetzt vor Ort entschloss ich mich, doch diesem Radweg zu folgen. Ich habe es nicht bereut. Die Trasse verlief immer stetig bergab durch teils wunderschöne Landschaft. Es gab sogar drei Tunnel. Hier der Eingang zu dem längsten von den dreien - dem Pleiner Tunnel.

Pleiner Tunnel

So sah es drinnen aus.

Pleiner Tunnel innen

Meine Erfahrung mit ehemaligen Bahntunneln war bisher, dass es darin auch im Sommer eisig kalt ist und stockdunkel. Und dass die Fahrradbeleuchtung nur wenig bringt. Dieser hier war angenehm temperiert (warum auch immer) und beleuchtet. Für die dort vorkommenden Fledermäuse hat man zum Teil sogar Zwischendecken eingezogen, damit die Fledermäuse ungestört schlafen können.

Die Ortsdurchfahrten von Wittlich und Wengerohr waren etwas nervig, weil dort der Radweg kompliziert durch den Ort geleitet wurde, mit Hindernissen und schwer zu findender Beschilderung. Erst hinter der autobahnähnlichen B50 ging es wieder auf der ehemaligen Bahntrasse weiter.

Am Ende der 45km langen Abfahrt kam ich an der Mosel an.

Mosel

Warm war es da unten! Unmittelbar vor dem dritten großen Anstieg stieß ich glücklicherweise noch auf einen Netto-Markt. Die Lage und der Zeitpunkt waren ideal. Es gibt dort auch 1-Liter-Eimer mit Fruchtjoghurt. Aber die vom Lidl schmecken besser. Wie dem auch sei: Frisch gestärkt und mit aufgefüllten Wasserflaschen ging ich an den dritten großen Anstieg. In Serpentinen ging es 300Hm nach oben - die Steigung knapp am Limit. Ich musste nur ein kurzes Stück am Anfang schieben.

Serpentinen

Es war heiß, die Sonne brannte herunter, die Luft flirrte. Alles nicht so toll. Am nervigsten war aber der unerwartet starke Verkehr auf dieser Strecke. Insbesondere Schwerverkehr - mindestens die Hälfte mit internationalen Kennzeichen. Das musste irgend eine Abkürzung zwischen zwei Autobahnen oder sowas sein. Zweimal passierte es, dass mich ein von hinten kommender Lkw schon in einigem Abstand laut anhupte - immer wieder - bis er an mir vorbei war. Keine Ahnung, was die Fahrer damit bezweckten. Bei mir erzeugte das einen Adrenalinstoß, der mich spürbar schneller klettern ließ.

Nach etwa 8km bog ich Richtung Süden auf die B269 ab. Die war entgegen ihrer Bezeichnung kaum befahren. Endlich hatte der nervige Schwerverkehr ein Ende.

Nach einigen kleineren Auf und Ab ging es zum Schluss dieses Abschnitts mit bis zu 70 Sachen hinunter nach Morbach. Jetzt stand der vierte und vorletzte Anstieg der Tages an. Nochmal 300Hm, wieder hart am Limit. Etwa 500m in der Mitte musste ich schieben. Es ging einfach nicht mehr. Irgendwann erreichte ich dann doch den höchsten Punkt: 713m üNN. Der Hauptrücken des Hunsrück war geschafft. Oben war praktischerweise ein kleiner Wanderparkplatz, den ich zu einer kleinen Rast nutzte. Ich gönnte mir dort einen Liter Orangensaft, den ich extra vom Netto-Markt mit hier hoch geschleppt hatte. Als ich gerade die leere Getränketüte in einer meiner Taschen verstaute rief von irgendwo her jemand “Was machen sie da?” - mit einem ziemlich aggressiven Unterton. Zum Glück klärte sich die Situation schnell auf. Der Besitzer des Tiguan, neben dem ich mein Fahrrad abgestellt hatte, war (von mir unbemerkt) von einer Wanderung zurückgekehrt. Aus seiner Perspektive bückte sich gerade jemand hinter seinem Auto. Es sah für den Besitzer so aus, als ob ich mich an seinem Auto zu schaffen machte. Ich versicherte ihm, dass ich dazu im Moment überhaupt nicht in der Lage sei. Wir kamen dann noch kurz ins Gespräch und ich beeindruckte ihn mit einer Kurzfassung meiner Tour.

Jetzt ging es 20km nur bergab hinunter bis nach Idar-Oberstein - die Edelstein-Schleifer-Stadt. Schön ist es hier. Sehr viel Wald. Die letzte Steigung war dann noch hinauf zur Jugendherberge. Die letzten 100Hm. Warum die meisten Jugendherbergen in Deutschland nur über einen steilen Endanstieg zu erreichen sind?

Weil ich keine Lust hatte für das Abendessen eine lange Strecke hinunter nach Idar-Oberstein zu gehen (und danach wieder hinauf), änderte ich beim Einchecken meine Buchung von Übernachtung mit Frühstück auf Halbpension. Das Abendessen war einfach und nicht so fantastisch - aber immerhin in ausreichender Menge auch für Radfahrer wie mich.

Die gestern befürchteten Gewitter traten nicht auf - nicht mal ansatzweise. Den ganzen Tag schien die Sonne. In den Tallagen war es drückend heiß. Als ich in Idar-Oberstein ankam, meldete eine große Anzeige 31 Grad. Derzeitige Prognose: Die nächsten Tage soll es sich kontinuierlich verschlechtern.