2018-06-24  Llanbedr → Rhyl

38ter TagAbfahrt09:43Distanz118,90kmHm ↑1247m
29te EtappeAnkunft17:49Insgesamt3147,43kmHm ↓1256m
Strecke ansehen

Schon bei Sonnenuntergang am Vortag hatte ich festgestellt, dass es ziemlich frisch werden würde an meinem Zeltplatz. Entgegen meinen ursprünglichen Plänen machte ich also alles dicht am Zelt bevor ich in meinen Schlafsack kroch. Außerdem legte ich diverse zusätzliche Klamotten bereit bzw. sogar in meinen Schlafsack hinein: lange Unterhosen, Socken, Fleecepulli, Wollmütze. Seit ich 2004 in einer bitterkalten Nacht in Neuseeland fast erfroren bin habe ich für solche Fälle immer vorgesorgt. Irgendwann zwischen 2 und 3 Uhr in der Früh wachte ich tatsächlich auf, weil mir kalt war. Wie gut, dass ich vorgesorgt hatte. Ich zog alles an. So richtigen Tiefschlaf fand ich dann aber nicht mehr. Erst gegen 6:00 (die Sonne war schon aufgegangen, der Zeltplatz lag aber noch im Schatten) wurde es wieder etwas angenehmer im Zelt und ich schlief nochmal richtig tief ein.

Ich wurde also eine Stunde später als gewöhnlich aktiv. Als ich aus dem Zelt kroch, sah ich, dass alles dick mit Tau bedeckt war. Zum Glück stand das Zelt schon bald in der Sonne. Ich versuchte es (und auch einige andere Dinge) soweit wie möglich trocken zu bekommen. Leider gelang das nicht vollständig, so dass ich Zelt, Schlafsack und Isomatte im feuchten Zustand einpacken musste. Eine gründliche Trocknung musste später erfolgen.

Wie erwartet brauchte ich für meine morgendlichen Verrichtungen, das Trocknen und Packen länger, als gewöhnlich, so dass ich erst um 9:40 loskam. Ich fuhr weiter Richtung Norden. Einmal noch gab es bei Llanfair eine schöne Aussicht auf die Küste

Strand von Harlech

bevor ich ins Landesinnere fuhr. Zuerst kamen noch 12km flaches Marschland, aber ab Penrhyndeudraeth ging es dann in die Berge. Ich hatte am Vortag noch überlegt, ob ich der Lleyn-Halbinsel mit dem Hauptort Aberdaron oder der Insel Anglesey einen Besuch abstatten sollte. Hatte mich letztendlich aber dagegen entschieden.

Kaum hatte ich die Berge erreicht gefiel mir die Landschaft besser. Zum Beispiel kleine Straßen durch Eichenwälder.

Eichenwald

Es ging weiter bergauf vorbei an hübschen (oder manchmal auch weniger hübschen) Ortschaften. Hier die ehemalige Minenstadt Beddgelert (jetzt eine Touri-Hochburg).

Beddgelert

Zum Glück hielten sich die extremen Steigungen diesmal in Grenzen. Entlang der Strecke windet sich auch eine Schmalspurbahn in die Höhe - die Welsh Highland Railroad. Sehr pittoresk.

Bald schon hatte ich den höchsten Punkt erreicht mit den beiden schön gelegenen Seen Llyn-y-Gadair

Lyn-y-Gadair

und Llyn Cwellyn

Llyn Cwellyn

Ich kam wieder in Küstennähe. Immer wieder boten sich schöne Meeresblicke, wie hier kurz vor Y Felinheli

Felinheli

Hier wieder etwas zurück versetzt bei Crymlyn.

Bei Crymlyn

Etwa einen Kilometer später wurde ich auf der sehr engen Straßen von einem alten Herrn auf einem fast ebenso alten Rennrad angehalten. Er fragte mich nach dem Wohin und Woher. Es stellte sich heraus, dass er Roy heißt und mit 84 Jahren noch immer begeisterter Radfahrer ist. Er betreibt sogar eine diesem Thema gewidmete Website. Für sein Radfahrer-Blog hat er dann ein paar Aufnahmen von mir gemacht.

Von Roy fotografiert

Hinter Llanfairfechan stieß ich wieder auf die Küste.

Küste bei Llanfairfechan

Kurz vor Conwy

Kurz vor Conwy

Ich kam an dem malerischen (aber auch überlaufenen) mittelalterlichen Städtchen Conwy vorbei.

Conwy

Ab Conwy Bay ging es dann wieder 15km direkt am Strand entlang. Auf der anderen Seite des Weges über Kilometer hinweg nur Mobile-Homes.

Insgesamt war der Abschnitt zwischen Felinheli und Rhyl (also die gesamte Strecke entlang der Liverpool-Bay) über weite Strecken aber nicht so schön, weil das Gebiet stark besiedelt ist. Der Radweg verlief meist direkt neben oder in Hörweite der stark befahrenen A55. Er wurde auch oft auf abenteuerlichen Wegen über sie hinweg oder um sie herum geführt. Auch die endlosen Mobil-Home-Siedlungen wirkten auf mich trostlos.

Um 17:20 kam ich endlich in Rhyl an. Da ich auf dem Zeltplatz vom Internet abgeschnitten war, hatte ich diesen Ort nur aufgrund spärlicher Informationen als Zielort ausgewählt. Die Entfernung passte ungefähr und es schien (gemäß Garmin) viele Übernachtungsmöglichkeiten zu geben. Die gab es auch. Aber die allermeisten machten keinen einladenden Eindruck. Die paar B&Bs, die ich aufsuchte waren alle voll. Auf der aufgezeichneten Route sieht man, wie ich im Ort herum irrte auf der Suche nach einer Unterkunft.

Letztendlich landete ich dann im Premiere Inn. Das ist wirklich in Ordnung, wenn auch der Preis eigentlich über meinem Limit liegt. Aber meinen Pausentag wollte ich nicht in einer deprimierenden Absteige verbringen.

Und weil Pausentag angesagt war, fiel die abendliche Handwäsche etwas umfangreicher aus, als gewöhnlich. (Ein Wäschedienst wird nicht angeboten.) Wieder mal musste ich etwas erfinden, um die tropfnassen Sachen aufhängen zu können.

Wäscheleine

Auf dem Bild fehlen die Socken und Unterhosen. Die hatte ich wo anders untergebracht. Ich hätte noch fotographieren sollten, wie das Hotelzimmer aussah mit ausgebreitetem Schlafsack, Isomatte und aufgespanntem Zelt (zwecks Trocknung).

Rhyl ist kein schöner Ort. Er ist voll auf Strandurlauber ausgerichtet mit Amusement-Parks, Spielhallen

Spielhalle

und viel Fastfood. Das Publikum ist eher (so hart das klingt) Unterschicht - fett, laut, ordinär.

Zum Abendessen ging es in ein nahe gelegenes indisches Restaurant. Das war die reinste Freak-Show, was da so an Gästen rumsaß. Zwei extrem Fette fraßen wie die Tiere - Rülpsen inklusive. Ein Typ (um die 60) kam mit seiner Tussi. Er hatte so eine quietschbunte Sonnebrille auf, die er wahrscheinlich vor Kurzem bei einem der Ramschläden am Strand gekauft hatte. Die nahm er auch nicht ab. Und er war deutlich betrunken. Ich erzählte ja bereits, dass die Engländer (Waliser) gerne auch vor dem Essen schon tanken.

Aber der Ober (Eric) war sehr nett und das Essen sehr gut.

Nach dem Essen gab’s noch einen kitschigen Sonneruntergang am Strand (inklusive Windpark und Rauchfahne von der Ölbohrinsel). unamused

Sonnenuntergang