2018-07-05  Campbeltown → Inveraray

49ter TagAbfahrt07:45Distanz121,90kmHm ↑1210m
38te EtappeAnkunft15:20Insgesamt3958,95kmHm ↓1213m
Strecke ansehen

Am Morgen war der Himmel mit Hochnebel verhangen. Wobei so hoch war der Hochnebel auch wieder nicht. Am gegenüber liegenden Ufer der Bucht von Campbeltown sah man deutlich, wie tief die Nebeldecke eigentlich hing. Dazu ein frischer Wind. Ich konnte mir vorstellen, dass das jetzt das Ende der Schönwetterphase war, als auch, dass der Wind den Nebel bald vertreibt und wieder die Sonne die Oberhand gewinnt.

Beim Auschecken dann die Überraschung: Mein Gastgeber (er hatte sich nie mit Namen vorgestellt) wollte nur Bargeld. Hatte ich aber nicht genug. Also fragte ich nach dem nächsten Geldautomaten. Noch während er beschrieb, wo der nun liegt, meinte er, es sei doch besser er würde mich da schnell hinfahren. (Zu diesem Zeitpunkt stand mein Fahrrad schon fertig bepackt im Foyer des Guesthouse.) Also fuhr er mich tatsächlich schnell zum Geldautomaten, so dass ich ihm die £65 bar bezahlen konnte. (Ursprünglich war von £72 die Rede, aber weil ich auf das Frühstück verzichtet hatte, ließ er sich auf £65 runterhandeln.)

Um 7:45 ging’s los. Ziemlich frisch war’s. Kaum hatte ich Campbeltown hinter mich gelassen, hatte ich mit dem steifen NW-Wind zu kämpfen. Da meine Strecke ziemlich genau nach Norden ging sollte das den ganzen Tag über so bleiben (zumindest an den Küstenabschnitten).

Ich fuhr also auf der A83 an der Westküste Kityre’s nach Norden. Schön war es da schon.

Kityre's Westküste

Später kamen am Horizont die gewaltigen Berge der Insel Jura (Innere Hebriden) in Sichtweite

Berge von Jura

Hier stellte sich spätestens heraus, dass die Sonne die Oberhand gewinnen würde. Ich trug also die Sonnencreme auf (und musste wieder an die Regencreme denken). Noch ein paar Kilometer weiter bog die A83 nach NO ab und folgte dem lang gestreckten Fjord Loch Tarbert. (Auch Fjorde und Buchten heißen hier Loch, nicht nur Süßwasserseen.)

Loch Tarbert

Am Ende des Fjords (der die Halbinsel Kityre fast in der gesamten Breite durchschneidet) wechselte ich auf die Ostseite Kityre’s, wo ich zuerst auf das Hafenstädtchen Tarbert stieß. Das sah fast aus wie aus einem Film (Local Hero zum Beispiel).

Tarbert

Weiter ging’s an der Ostküste entlang Richtung Norden bis nach Lochgilphead am Nordende der Bucht Loch Gilp. Dort waren schon 81km erreicht und es war höchste Zeit für eine Mittagspause. Zuerst kehrte ich im Co-op ein, der leckeren Fruchtjoghurts wegen (die es da nämlich auch gibt). Danach setzte ich mich auf eine Bank an der Uferpromenade von Lochgilphead und verspeiste noch einen Teil eines Olivenbrots und Cheddarkäse. Dabei kam ich mit einem alten Herrn ins Gespräch. Wie sich heraus stellte war er von der Südgrenze Schottlands und in Lochgilphead auch nur zu Urlaub. Ich hab ihn fast nicht verstanden aufgrund seines schottischen Dialekts. Die Einheimischen hingegen sprachen ein ziemlich klares Englisch. Irgendwie bin ich noch nicht dahinter gekommen, wo sie nun ein derbes Schottisch sprechen und wo nicht.

Die restlichen 40 Kilometer ging’s in nordöstliche Richtung am Westufer des Loch Fyne entlang bis zum Tagesziel Inveraray. Bei einer eher harmlosen Fahrt durch ein Schlagloch (die hier gar nicht so selten sind) sprang mir schon wieder die Kette vom Ritzel. War wieder ein ziemlicher Akt, die wieder drauf zu kriegen. Auf jeden Fall steht jetzt fest, dass die Kette zu locker ist. Entweder sie hat sich bereits nach etwa 8000km spürbar gelängt oder das Hinterrad hat sich leicht verschoben. Eigentlich halte ich beides für unwahrscheinlich. Am Abend habe ich versucht, das Hinterrad ein klein wenig nach hinten zu versetzen. Dabei hätte ich vier Imbusschrauben lösen müssen, die so fest angezogen waren, dass ich mir den Imbusschlüssel verbogen habe. Die Schrauben aber blieben fest. Ich werde versuchen an meinem Pausentag in Fort William eine Fahrradwerkstatt zu finden, die mir weiter helfen kann.

Ich kam um 15:20 bei der Jugendherberge in Inveraray an. Zum Glück machte die Herberge schon um 15:30 auf. Das entspannte die gesamte Zeitplanung für den restlichen Tag. Ich hatte sogar Zeit für einen kleinen Spaziergang durch den Ort. Es gibt ein Schloss, das genau so aussieht, als hätte es ein exzentrischer Brite in der zweites Hälfte des 18ten Jahrhunderts da hin bauen lassen.

Inveraray Castle

Die Hautpstraße von Inveraray ist auch ganz hübsch.

Inveraray Mainstreet

Es gibt auch noch ein altes Gefängnis, das Erlebnistouren anbietet, und einen Glockenturm. Und natürlich viel schöne Landschaft drum herum.

Wieder ist es nix mit Seafood geworden. Das einschlägige Restaurant am Ort (Samphire) hatte geschlossen bis 10 Juli.