2018-07-01  Derry → Armagh

45ter TagAbfahrt07:30Distanz123,11kmHm ↑1395m
34te EtappeAnkunft15:33Insgesamt3555,02kmHm ↓1345m
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Diese Etappe war wieder eine längere. Zum Glück war es nicht mehr so heiß und der Wind hat auch ein bisschen angeschoben. Aber es wurde auch wieder viel geklettert - wenn auch das meisten noch fahrbar war.

Bereits um 7:30 fuhr ich los. Zu meiner Überraschung war der Himmel wolkenverhangen. Es sah danach aus, dass es bald regnen würde. Ich fuhr zuerst ein Stück die A2 entlang, die mich am Vortag fast in den Wahnsinn getrieben hätte. Am Sonntag Morgen war hingegen kein Verkehr. Bald bog ich auf die B48, der ich eine ganze Weile folgen sollte.

Ich hatte die Route extra so geplant, dass sie möglichst irgend welchen Flüssen oder Tälern folgt. Leider erfüllte sich die damit verbundene Hoffnung auf wenige Steigungen nur begrenzt. Die Straßen verlaufen halt nicht direkt am Talgrund oder am Fluss entlang, sondern gehen immer wieder mal die Böschungen hoch und dann wieder runter.

Kurz vor Plumbridge erreichte ich einen Pass von etwa 200m Höhe. Von dort hatte ich Blick auf den Balix Hill, der bereits in Wolken war.

Balix Hill

Es sah zu diesem Zeitpunkt wirklich sehr nach Regen aus. Die Landschaft sah übrigens die meiste Zeit des Tages ungefähr so aus. Hügelige Weidelandschaft auf irisch. Zwischendrin (so ab Gortin) durchfuhr ich die Sperrins, ein “Gebiet von herausragender natürlicher Schönheit” (Area of outstanding natural beauty, AONB). Die kommen einem in (Nord-) Irland immer wieder unter. Ja mei - da hatte es halt ein bisschen mehr Wald. Hauptsächlich Marketing.

Erstaunlicherweise begann die Wolkendecke ab dem späten Vormittag aufzureißen. Als ich die Sonnencreme auftrug, hoffte ich, dass es nicht wieder eine Regencreme wird. Das war mir nämlich auf meiner letzten Radreise mehrfach passiert: Durchwachsenes Wetter, Sonnencreme aufgetragen, Regen. Aber es blieb tatsächlich trocken, zuweilen sogar richtig sonnig, so dass es gleich wieder richtig warm wurde.

Ziemlich genau auf halber Strecke stattete ich den Steinkreisen von Beaghmore einen Besuch ab. Die sind etwa 6000 Jahre alt, stammen aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit und wurden erst in den 20er Jahren entdeckt, als man an der Stelle Torf abgebaut hat.

Steinkreise

Es ist ein ganzes Areal mit komplexen Mustern an Kreisen und Geraden aus Steinen. Dazwischen einige Steinhaufen, die vermutlich früher sogenannte Cairns waren - also Steinmanderl. Viel weiß man nicht über die Bedeutung der Figuren.

Danach schlug ich mich ein paar Kilometer auf kleinsten Nebenstraßen durchs Hinterland. Zum Glück war das Gelände da schon nicht mehr besonders hügelig. Trotzdem ging’s ständig bergauf und bergab. In Pomery fand ich eine Bank im Schatten direkt vor einem kleinen Supermarkt (der auch am Sonntag geöffnet hatte). Für eine üppige Mittagspause war also gesorgt smile Da waren schon 84km gefahren.

Die restlichen 40 Kilometer fuhr ich dann auf eher wenig befahrenen B-Straßen bis Armagh, wo ich etwa um 15:30 eintraf. Ich hatte mir ein Zimmer in der Jugendherberge reserviert, weil es B&Bs nur im der weiteren Umgebung zu finden gab. Als ich dort ankam, las ich etwas von Check-In erst ab 16:30. unamused Noch bevor ich mir Gedanken machen konnte, wie ich nun am besten die gute Stunde Wartezeit nutze, machte mir eine kleine dickliche Frau auf und ließ mich doch schon gleich einchecken. Ich hab ihr ausdrücklich gesagt, wie dankbar ich ihr dafür war. So konnte ich mein Zeug los werden, bevor ich gleich zum Einkaufen und Express-Sightseeing loszog.

In Armagh gibt es nicht nur eine, sondern gleich zwei Kathedralen. Die der römisch-katholischen Kirche

RK Kathedrale

und die der Kirche von Irland

COI Kathedrale

Ich würde sagen in diesem Fall 1:0 für den Papst. Daneben gibt es aber nicht mehr viel. Hier noch der Marktplatz mit einem modernen Theater und einer “Technischen Schule” - was immer das genau ist.

Marktplatz

Erstaunlicherweise gibt es auch ein Planetarium. Das habe ich aber nicht besucht. Ich musste mich ums Abendessen kümmern, um die Planung für den nächste Tag (Downpatrick) und um gleich zwei Einträge ins Reiseblog. Damit war der Abend schon gelaufen.