2018-06-18  Plymouth → Braunton

32ter TagAbfahrt08:11Distanz111,46kmHm ↑1638m
23te EtappeAnkunft17:07Insgesamt2494,11kmHm ↓1712m
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Die Strecke war tatsächlich so hügelig (und anstrengend) wie gestern schon befürchtet. Wären die letzten 35km nicht auf ehemaligen Bahnstrecken verlaufen, hätte ich wahrscheinlich unterwegs abbrechen müssen.

Gleich auch den ersten Metern (Yards) ging’s los. Im Stadtgebiet von Plymouth kamen zu den Steigungen auch noch der morgendliche Verkehr dazu. Aber auch nachdem ich das Siedlungsgebiet verlassen hatte ging es über kleinste Wege

Kleiner Weg mit Hecken

auf und ab. Schön war die Gegend auf jeden Fall. Beinahe schon parkähnlich.

Weide mit Bäumen

Brücke

Nach einer Stunde machte ich mir ernsthafte Sorgen über das Erreichen des Tagesziels. 110km waren aufgerufen. In den ersten 60 Minuten hatte ich gerade mal 10km geschafft. Und die Schiebestrecken wurden nicht weniger. Erst nach 95 Minuten (ich hatte gerade 16km geschafft) erreichte ich eine etwas besser ausgebaute Straße - die B3257. Jetzt war endlich ein effektiveres Vorankommen möglich. Die B3257 ging dann unbemerkt in die B3362 über und als diese nach Westen abbog war es auch schon wieder vorbei mit den besser ausgebauten Straßen. Gefühlt war jetzt jede Meile einmal Schieben angesagt. So ging das über Stunden.

Schön war es nach wie vor.

Schafe

Das Dorf Bratton Clovelly sah aus wie eine Filmkulisse mit seinen z.T. reetgedeckten Häuser und dem schuckeligen Inn im Ortskern. Leider vergaß ich das im Bild festzuhalten.

Ich hatte eigentlich vor so bei 75km (also bei 2/3 der Strecke) meine Mittagspause einzulegen. Aber schon ab etwa Kilometer 60 merkte ich, wie langsam die Kräfte nachließen. Jetzt schaute ich nur noch nach einem geeigneten Rastplatz. Aber es tat sich nichts geeignetes auf. Bei Kilometer 68 war ich schon soweit, dass ich das Rad einfach gegen eine Wellblechgarage gelehnt hätte und mich davor gesetzt hätte. Ich konsultierte nochmal OSMAND auf dem Handy. Ich sah, dass einen guten Kilometer weiter das ewige Auf und Ab endlich ein Ende haben musste, weil sich ab dort die Möglichkeit bot einer ehemaligen Bahnstrecke zu folgen. Und meiner Erfahrung nach gibt es an solchen Strecken auch oft schöne Rastplätze.

Also habe ich noch meine letzten Reserven mobilisiert und tatsächlich kam schon bald die ehemalige Bahnstrecke - Tarka Trail genannt. Anfangs noch leicht bergauf und recht holprig. Aber das war mir egal.

Bahnstrecke

Nach wenigen hundert Metern hatte ich bereits die Scheitelstelle erreicht. Von jetzt an ging es immer bergab. Nach etwa 3km kam dann tatsächlich ein Rastplatz - 74km standen auf dem Fahrradcomputer. Die Brotzeit war schnell verschlungen.

Ab dieser Stelle war die ehemalige Bahnstrecke sogar asphaltiert. Das war nicht nur angenehm zu fahren, sondern die Landschaft ausgesprochen hübsch. Schon bald folgte die Strecke dem romantischen Tal des Torridge.

Torridge

Kurz vor der Mündung des Torridge (die Flussufer waren hier schon deutlich von den Gezeiten gezeichnet) bog die ehemalige Bahnstrecke nach Osten ab und folgte dem Fluss Taw flussaufwärts.

Taw

Bald erreichte ich den Ort Barnstaple - offensichtlich das Versorgungszentrum der Gegend. Zumindest gibt es zahlreiche riesige Supermärkte und Einkaufszentren. Ich besorgte ich mir bei Tesco einen Steckdosen-Adapter. Dazu muss ich sagen, dass ich sehr wohl daran gedacht hatte, einen Adapter für UK mitzunehmen. Das Trumm das ich in Neuseeland gekauft hatte. Ich hatte ganz selbstverständlich angenommen, dass im gesamten Commonwealth der gleiche Steckdosen-Standard verwendet wird. Fehlannahme! Das habe ich aber erst am Vortag in Plymouth festgestellt. War nicht so einfach, so einen Adapter zu bekommen. Einen Adapter, um Geräte mit UK-Steckern im Rest der Welt betreiben zu können hätte ich sofort bekommen. Aber nicht das Gegenteil davon.

Danach ging ich noch zu Lidl - Nachschub von dem tollen Bio-Müesli kaufen, das ich in Frankreich so schätzen gelernt hatte. Aber welche Enttäuschung. Das Sortiment in den englischen Lidls ist offensichtlich ganz anders. Es gibt nicht mal eine Bio-Abteilung. Ich habe dann als Ersatz so ein dubioses Früchte-Müesli gekauft. Ich vermute, das ist pappsüß. Werde ich morgen früh testen. Dazu noch einen 1-Liter-Joghurt, weil die Brotzeit eine Stunde zuvor nicht wirklich gereicht hatte.

Frisch gestärkt machte ich mich dann auf die letzten 12km zu Sally in der kleinen Ansiedlung Knowle bei Braunton. 17:06 war ich endlich am Ziel.

Sally ist eine echte Sportskanone. Besitzt (wenn ich richtig gezählt habe) 6 Fahrräder für verschiedene Einsatzzwecke, fährt damit bis zu 200km am Tag, läuft Marathon, nimmt in ein paar Wochen an ihrem ersten Ironman in Wales teil. Und das mit über 60! Und trotzdem leicht dicklich. Unfassbar.

Sie (und ihr Mann Chris) sind sehr nett und unkompliziert. Das Haus ist sauber, die Hunde gut erzogen. Abendessen gab es ein kaltes Buffet - aber reichlich.

Wo morgen die Reise hingeht steht noch nicht fest. Ich habe ungezählte Gastgeber aus warmshowers im Bereich Taunton und Bridgwater angeschrieben, aber bestenfalls Absagen, in den meisten Fällen aber überhaupt keine Reaktion erhalten.