2018-06-07  Beauvais → Le Neubourg

21ter TagAbfahrt08:20Distanz115,48kmHm ↑953m
13te EtappeAnkunft16:31Insgesamt1533,63kmHm ↓885m
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Diese Nacht war wieder nicht so gut. Mir war es zu heiß, aber das Fenster konnte ich wegen des Verkehrslärms nicht öffnen. Es hatte wohl den Großteil der Nacht geregnet, aber am Morgen hatte der Regen aufgehört. Dicke Wolken hingen am Himmel. Es war richtig duster. Es sah nach Regen aus.

Ich hatte im Hotel auf das Frühstück verzichtet und mir auf dem Zimmer ein einfaches Müesli zubereitet. So sparte ich mir in diesem Saftladen die ungeheuren 12€ für das (sicher nicht so tolle) Frühstück. Außerdem konnte ich während dem Essen die Tagesplanung erledigen. Am Vorabend hatte ich schon mit Rouen geliebäugelt. Aber eine kurze Internet-Recherche weckte bei mir den Eindruck, dass das hauptsächlich eine Industriestadt ist, die ihre besten Zeiten schon hinter sich hat. Da wollte ich nicht hin.

Letztlich entschied ich mich für Le Neubourg. Die Entfernung passte und es gab dort laut der Website der Gemeinde gleich 3 Hotels. Diese Auswahl sollte für so einen kleinen Ort reichen.

Relativ früh um 8:20 fuhr ich los. Dank der Route auf dem Garmin fand ich problemlos durch die Stadt bis zum Anfang einer zum Radweg umgebauten Bahnlinie, der ich 25km folgen sollte.

Bahnstrecke

Solche Routen sind meist ein Genuss - wie hier auch. Glatter Asphalt, äußerst moderate Steigungen. Die Route war hier so stark zugewachsen, dass ich von der umliegenden Landschaft so gut wie nichts sehen konnte. Durch den starken Regen in der Nacht war die Fahrbahn voller Blütenteile, die von den Bäumen gefallen waren. Eine Vollbremsung hätte ich nicht machen wollen. Der Schmodder klebte zuletzt überall: am Fahrrad, an den Beinen, an den Packtaschen. Die letzten 5km bevor ich die Bahnlinie verließ ging es sogar durch ein Sumpfgebiet. Links und rechts des Bahndamms überflutete Feuchtgebiete.

Auf der Höhe von Saint-Germer-de-Fly verließ ich die Bahnlinie und hielt mich ab hier eher südwestlich. Die Landschaft war hier ansprechender, als das öde Agrarland vom Vortag. Mehr Hügel, mehr Wälder, aber auch mehr Steigungen. Saint-Germer-de-Fly ist übrigens ein hübscher kleiner Ort, mit einer kuriosen Kirche. Vorne romanisch, hinten ein gothischer Anbau. Hier hätte es auch ein kleines Landgasthaus gegeben. Da hätte ich gerne übernachtet. Nachher ist man immer klüger.

Saint-Germer-de-Fly

Die erste anstrengende Steigung kam hinter Neuf-Marché. Oben angekommen, war ich gezwungen von der geplanten Route abzuweichen, weil eine Straße gesperrt war. In Mesnil-sous-Vienne überlegte ich lange, wie ich am effizientesten über kleine Nebenstrecken weiter Richtung Ziel fahren könnte. Ich fand nichts überzeugendes und entschied mich dazu, einen etwa 1km langen Anstieg in Kauf zu nehmen, um auf dem kürzesten Weg wieder zurück zur geplanten Route zu gelangen.

Hinter Morgny ignorierte ich die geplante Route, als zu verwinkelt und fuhr einfach 3km auf der D316. War garnicht schlimm. Ungefähr ab diesem Zeitpunkt begann das Wetter sich zu ändern. Der Dunst verschwand, die Wolkendecke riss zunehmend auf und es kam Wind auf - aus SW. Also Gegenwind. Nach 3 Wochen unterwegs, das erste Mal nennenswerter Gegenwind.

In Mesnil-Verclives legte ich eine kleine Pause ein, obwohl es erst 11:40 war. Hauptsächlich um mich einzucremen. Weil ich schon so ein schönes Fleckerl gefunden hatte, trank ich auch gleich eine meiner Wasserflaschen leer und genoss ich die 2 Bananen, die noch übrig waren. Letzteres sollte später noch von großem Vorteil sein.

In Écouis gibt es eine Abtei, die wohl relativ berühmt ist. Auf jeden Fall ist sie schon im großen Umkreis ausgeschildert und es gibt große Parkplätze.

Écouis

Weil das Radl gerade so schön da stand, habe ich auch gleich noch ein Foto davon gemacht.

Reiserad

Ich näherte mich der Seine. Ich wich ganz bewusst von der geplanten Route ab in der Hoffnung, dass ich ein paar schöne Aussichten auf das Seine-Tal oder die Seine selbst finden würde. Leider hat das nicht so gut geklappt. Immerhin war die Strecke hier ganz ansprechend. (Und es ging abwärts.)

Zur Seine

Hier das Seine-Tal.

Seine-Tal

Wenig später überquerte ich bei Saint-Pierre-du-Vauvray die Seine, die hier schon so breit ist, dass ich den Fluss nicht vollständig aufs Bild bekam.

Seine

Mittlerweile war es Zeit für eine ausgiebige Mittagspause. Ich hatte darauf spekuliert, dass es an der Seine bestimmt eine Uferpromenade mit Parkbänken oder einen Picnic-Platz gibt. Fehlanzeige! Also durfte ich mit leerem Magen hinter Saint-Pierre-du-Vauvray wieder aus dem Seine-Tal heraus klettern. Was ich nicht erkannte hatte: Als ich endlich oben angekommen war ging es gleich wieder kräftig bergab in das Tal der Eure. Die fließt etwas unterhalb dieser Stelle in die Seine. Diesen Buckel hätte ich locker umfahren können. Nachher ist man immer klüger.

Unten an der Eure suchte ich zunehmend verzweifelt einen Rastplatz - gut an der aufgezeichneten Strecke zu erkennen. Die nächste zu erwartende Steigung wollte ich nicht auch noch mit leerem Magen bewältigen müssen. Schließlich fand ich einen mehr schlechten als rechten Platz am Zusammenfluss eines Kanal mit der Eure. Ohne die beiden Konditions-Bananen von der ersten kleinen Rast hätte ich es überhaupt nicht so weit geschafft.

Frisch gestärkt fuhr ich durch die hässliche Peripherie von Louviers bis zur D108, wo der lange Anstieg begann, der mich aus dem Tal der Eure führte. Oben angekommen, war die Landschaft wieder ödes Agrarland. Das Gelände stieg weiterhin nicht sichtbar, aber deutlich spürbar an. Dazu noch der Gegenwind. Die letzten 15km waren nicht mehr schön.

Irgendwann so um 16:00 kam ich in Le Neubourg an. Ich suchte das von mir präferierte Hotel. Es war nicht zu finden. Ich fragte eine Frau, die mich aber zum Hotel mit Prio 2 dirigierte. Schließlich fand ich das ‘Hotel’. Es hing zwar noch das Schild an der Wand mit der offiziellen 2-Sterne-Einstufung. Aber der Hotelbetrieb ist eingestellt. Ich hatte sogar extra noch an der Bar gefragt. Also rief ich beim Hotel Nummer 2 an. Niemand hob ab. Ich fuhr hin. Alles verschlossen. Dann halt nicht. Gerade als ich wegfahren wollte, kam ein Koch und wollte das Haus betreten. Der bestätigte mir, dass auch dieses Hotel geschlossen ist. Le Neubourg scheint kein gutes Pflaster für Hoteliers zu sein.

Immerhin hatte Hotel Nummer 3 noch geöffnet. Ein Business-Hotel etwas außerhalb, dafür näher an der Umgehungsstraße und mitten in einem Gewerbegebiet. Ein eher zweckmäßiger Bau. Aber es ist recht neu - die Einrichtung noch nicht verschlissen. Welch ein Kontrast zu dem Hotel in Beauvais.

Diesmal schob ich die Dusche und das Wäschewaschen etwas auf. Noch in den Fahrrad-Klamotten und mit einem Rucksack fuhr ich gleich nach dem Check-In wieder los. Ich wollte noch das Chateau Champ de Bataille besuchen, das ganz in der Nähe liegt. Das war cool, denn ich war fast alleine. Ein kleine Gruppe Franzosen, die sich in dem riesigen Park verliefen. Das war’s. Das Schloss selbst ist nicht so besonders

Chateau 1

Chateau 2

Aber der Park

Schlosspark 1

Schlosspark 2

Auf dem Rückweg fuhr ich noch eine Runde durch Le Neubourg, damit ich das auch gesehen hatte. Viel mehr, als ich schon bei der Hotelsuche gesehen hatte gibt es aber eigentlich nicht.

Le Neubourg

Im Intermarché kaufte ich noch für das Abendessen und Frühstück im Hotelzimmer ein. Dann ging es endlich zurück ins Hotel, wo die alltäglichen Routinen auf mich warteten: Duschen, Wäschewaschen, Zielort aussuchen, Route planen, aufgezeichnete Route hochladen, Bilder von der Kamera kopieren und aufbereiten, Blog-Artikel schreiben…