2018-05-27  Mécrin → Verdun

10ter TagAbfahrt08:45Distanz82,75kmHm ↑915m
9te EtappeAnkunft16:06Insgesamt857,64kmHm ↓948m
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Die Strecke heute war nicht sonderlich lang. Sie verlief aber quer durch die Maas-Höhen, also die Hügellandschaft östlich der Maas, d.h. es ging auf und ab. Unterwegs besuchte ich noch drei Kriegsschauplätze, von denen zwei oben auf einem exponierten Berg lagen. Ich glaube ich weiß, warum ich am Abend so groggy war.

Der Plan war, zuerst die Gedächtnisstätte von Marbotte ganz in der Nähe zu besuchen. Dann den Butte de Montsec nur etwa 10km weiter östlich. Danach wollte ich mich entscheiden, ob ich noch weiter nach Pont-à-Mousson fahre (und wahrscheinlich auch dort übernachte) oder mich nach NW nach Verdun wende.

Cécile und David hatten mir am Vorabend ausführlich erklärt, dass sie mir alles fürs Frühstück bereitstellen, wie der Herd zu bedienen ist und was ich mir noch aus dem Kühlschrank holen kann. Ich hab das nicht ganz verstanden. Ich ging davon aus, dass wir zusammen frühstücken. Immerhin erwartete ich wieder so um 6:00 aufzustehen, wie schon die Tage zuvor. Erst am Morgen realisierte ich, dass ja Sonntag ist und die beiden ausschlafen wollten. Also frühstückte ich wieder alleine und bereitete meine Abfahrt vor. Erst so um 8:30 erschien Cécile auf der Bildfläche, um mich zu verabschieden.

In der Früh sah es nach Regen aus. Während des Frühstücks tröpfelte es auch schon. Bei der Abfahrt so gegen 8:45 regnete es aber nicht mehr.

Wie geplant fuhr ich zuerst zu dem Soldatenfriedhof von Marbotte.

Marbotte

In dieser Gegend lag der sogenannte Frontbogen von Saint-Mihiel. Da war es den Deutschen in der ersten Phase des Krieges gelungen einen weit nach SW ragenden Frontabschnitt zu erobern und 4 Jahre lang (bis kurz vor Ende des Krieges) zu halten. Das war natürlich wie ein Stachel im Fleisch der Franzosen, die ein ums andere Mal versuchten, diesen Frontbogen zurückzuerobern. In dem Gebiet nördlich der Straße, die ich zuerst nach Osten fuhr verlief die Südflanke dieses Frontbogens, d.h. da war die Front. Da wurde zu 10.000den gestorben. In Marbotte war ein Kommando- und Versorgungszentrum. Hier landeten deshalb viele Tote, die man von den Frontlinien geborgen hatte. Auch viele Verletzte überlebten die ersten Stunden / Tage nicht und starben in den Notversorgungszentren. Deshalb der Soldatenfriedhof an dieser Stelle.

Weiter ging’s zum Butte de Montsec. Ein monströses Monument am Gipfel dieses exponierten Hügels gedenkt der amerikanischen Einheiten, denen es gegen Ende des Krieges gelungen war diesen strategisch so bedeutsamen Punkt von den Deutschen zurückzuerobern. Und weil der Hügel tatsächlich so exponiert dasteht, war die Fahrt nach oben auch eine Herausforderung.

Butte de Montsec

Die Eroberung des Frontbogens von Saint-Mihiel und auch des Butte de Montsec muss man aber meiner Meinung nach relativieren. Die Deutschen waren nach 4 Jahren Krieg ausgeblutet und litten an einer Vielzahl von Resourcen-Mängeln. In dieser Situation hatten sie beschlossen sich auf besser zu verteidigende Stellungen zurückzuziehen. Dieser Rückzug rollte gerade an, als die Amerikaner ihre erste selbst kommandierte Großaktion anlaufen ließen. Deshalb lief die Rückeroberung auch viel besser, als erwartet. Eine heroische Großtat sehe ich da nicht. (Ganz zu schweigen davon, dass man meiner Meinung nach militärische Siege ohnehin nicht glorifizieren sollte.)

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt fing es wieder an zu regnen. Ich beschloss nicht weiter nach Osten zu fahren (Bois Le Pretre, Pont-à-Mousson), sondern Richtung Verdun. Das hieß aber auch, den Maas-Höhen ein gutes Stück ihrer Länge zu folgen - mit den entsprechenden Steigungen. Richtig heftig ging es nach Hattonchatel hoch. Aber schön war es in der Gegend.

Maas-Höhen

Auf dem Weg lag noch der Cote des Éparges. Wieder so ein exponierter Hügel, den die Franzosen gut hätten brauchen können, um den Deutschen im Osten in die Suppe zu spucken (d.h. mit Artillerie die Nachschubwege zu stören). Der Hügel ist eigentlich ein Bergrücken, der zu Beginn des Stellungskrieges komplett in deutscher Hand war. Mit einem unvorstellbaren Einsatz an Mensch und Material rannten die Franzosen ein ums andere Mal gegen die Deutschen an und trotzten ihnen Meter für Meter des Bergrückens ab. Den äußersten östlichen Punkt (Punkt X) hielten die Deutschen aber bis zum Ende des Krieges (weshalb sich das ganze Leid für die Franzosen nicht wirklich ausgezahlt hat). Dementsprechend sieht die Landschaft da oben heute noch aus.

Krater und Gräben

U.a. wurde der Krieg auch unter der Erde geführt - mit Stollen und bis zu 30t schweren Minen. Die entstandenen Krater sind so groß, dass es unmöglich ist diese auf einem Bild abzulichten. (Der Baum ist eine ausgewachsene Fichte.)

Monsterkrater

Krass!

Mittlerweile war es kurz nach 13:00 und zum Glück hörte es wieder zu regnen auf. Ich hatte schon mächtig Hunger, aber es hatte sich bis dahin kein Unterstand gefunden wo ich ein trockenes Mal hätte zu mir nehmen können. So war ich froh, dass ich eine Bank unter einem Baum fand, die vom Regen einigermaßen verschont geblieben war. Aus dem Geäst tropfte es ein wenig. Aber im Großen und Ganzen konnte ich ungestört meinen Comté mit irgend einem labbrigen Brot verspeisen.

Weiter ging es Richtung Verdun. Noch eine heftige Steigung hinter Mont-Villers, die hinterhältigerweise in einen laaangen Anstieg überging, der mich schließlich auf fast 400m Höhe führte. Danach ging es nur noch bergab. Eine letzte Steigung umfuhr ich elegant, indem ich weiter zur Maas hinunter fuhr und dort tatsächlich auf einen Uferweg stieß, der mich bis Verdun brachte.

Verdun 1

In Verdun checkte ich in einem billigen Hotel ein, das ich mir schon vorab ausgesucht hatte. Nichts besonderes, aber das Bett und das Bad sind in Ordnung.

Zum Abendessen gab es wieder Pizza und eine Mousse au Chocolat. Es hätte es etwas mehr sein dürfen. Morgen werde ich dem Inder / Pakistaner einen Besuch abstatten.

Verdun ist ähnlich wie Toul. Es gibt ein paar schöne Ecken. Die Innenstadt ist aufgeräumt. Das war’s dann. (Auffallend viele “A vendre” Schilder.)

Verdun 2