2018-05-26  Lamath → Mécrin

9ter TagAbfahrt09:08Distanz106,09kmHm ↑752m
8te EtappeAnkunft16:25Insgesamt774,89kmHm ↓766m
Strecke ansehen

Diese Strecke war (trotz ihrer Länge) easy und auch recht hübsch, weil es hauptsächlich an irgendwelchen Kanälen und Flüssen entlang ging. Das größte Problem war die schwüle Hitze.

Morgens frühstückte ich noch bei meinen warmshowers.org Gastgebern David und Natalie Zimmermann. Allerdings alleine. David musste an diesem Tag schon früh zur Arbeit (er ist Berufsfeuerwehrmann in Nancy). Natalie hatte viel zu tun. Sie ist freiberufliche Schneiderin und hat sich auf aufwendige Corsagen, Balletkleider und mittelalterliche Kostüme spezialisiert. Ich will mich aber nicht beschweren.

Ich hatte am Vorabend mal so zwischendurch die Route zu meinen nächsten Gastgebern berechnen lassen. Ich hatte so mit 60km gerechnet und schon überlegt, was ich noch auf dem Weg anschauen könnte. Als dann OSMAND irgendwas mit 105km ausspuckte war ich leicht irritiert. Ich hatte wenig Zeit und konnte die Route nur oberflächlich überprüfen. Es war also ein bisschen ein Überraschungsei, das ich an diesem Tag abfahren sollte.

Zuerst leitete mich OSMAND (bzw. der Garmin) zurück zum Tal der Meurthe, dem ich dann bis Saint-Nicolas-de-Port folgte. Dieser Abschnitt war noch nicht so prickelnd, weil es nicht direkt am Fluss entlang ging und die Orte hässlich und stark von Verkehr belastet waren. Hinter Dombasle-sur-Meurthe führte mich die Strecke sogar über etwas wüste Wege entlang von Fabrikanlagen. Auch so können Radwege aussehen.

Fabrik

In Saint-Nicolas-de-Port steht übrigens eine auffällige gotische Kirche. Näher als auf diesem Bild bin ich allerdings nicht herangekommen.

Saint-Nicolas-de-Port

Kurz vor Fléville-devant-Nancy erreichte ich den Canal de Jonction de Nancy - also den Verbindungskanals von (nach) Nancy. Genau an der Stelle waren 8 Schleusen hintereinander geschaltet. Musste wohl ein mächtiger Höhenunterschied sein, den es hier zu bewältigen galt.

Schleuse

Kanal

Entlang diesem Kanal ging es zuerst nach SW und dann nach W bis er bei Ludres in den Canal des Vosges mündete. Hier fließt der Canal des Vosges parallel zur Mosel (Meuselle). Dazwischen und drum herum viele Seen - ich vermute künstlichen Ursprungs. Irgendwo dazwischen schlängelte sich der Radweg. Viel Grün, sehr guter Belag. Eine echte Freude.

Schließlich landete ich auf dem Uferweg entlang der Mosel, dem ich ein paar Kilometer folgte. Kurz vor Toul war dann aber schon wieder Schluss mit Uferweg und ich wurde über diverse Ansiedlungen nach Toul geleitet. In einer dieser Ansiedlungen machte ich Mittagspause am Kriegerdenkmal. Ein paar Jungen (ca. 6 Jahre alt) waren neugierig und stellten Fragen. Ich verstand leider nichts. Keine Kommunikation.

Von Weitem sah ich schon die große gotische Kirche von Toul, weshalb ich der Innenstadt einen kurzen Besuch abstattete. Die Kirche (Kathedrale?) war wirklich beeindruckend. So groß, dass ich Schwierigkeiten hatte, die Westfront ganz abzulichten. Der Rest von Toul - naja - ganz nett und aufgeräumt. Nichts, wo man mal für einen Kurzurlaub hinfahren sollte.

Toul

Hinter Toul stieß ich dann auf den Rhein-Marne-Kanal. Der Uferweg war wieder gut befahrbar, aber offensichtlich nicht offiziell. Vor und hinter jeder Brücke musste ich ein Durchfahrt-Verboten-Schild ignorieren und eine Schranke umfahren. Letzteres war aber nicht schwer: Die Trampelpfade um die Schranken herum waren gut ausgefahren.

Bei Foug durchquert der Kanal einen kleinen Geländerücken per Tunnel. Ich musste über den Rücken drüber. Das bescherte mir die einzige wirklich heftige Steigung des Tages.

Kanal durch Tunnel

Ab dieser Stelle gab es dann leider keinen Uferweg mehr. Die Route folgte aber dem Tal der Maas, sodass ich weiterhin ohne bemerkenswerte Steigungen voran kommen konnte.

Die Maas

In Commercy kaufte ich Proviant für den morgigen Sonntag ein. Außerdem hatte ich total Appetit auf einen großen Becher Fruchtjoghurt (siehe 2018-05-20). Leider gibt es in Frankreich (oder zumindest bei Match) nicht diese 1-Liter-Joghurt-Becher. So kaufte ich halt eine 8er-Packung mit Joghurt-Bechern zu je 125ml. Kommt aufs Gleiche raus, nur mit viel mehr Müll.

Ein paar Kilometer weiter war ich dann schon in Mécrin bei Cécile und David. Es war 16:30 - leider war niemand zu Hause. Ich rief an, landete aber nur auf der Mailbox. Reichlich überfordert versuchte ich eine französische Nachricht zu hinterlassen. Ich glaube nicht, dass man den Sinn der Nachricht verstehen konnte.

Zum Glück dauerte es nur 15 Minuten, bis Cécile mit ihren Kids auftauchte. Sie ließ mich rein, das Fahrrad landete in der Garage bei den vielen anderen Fahrrädern, die Packtaschen im Gang und wir setzten uns in den Garten auf ein kleines Schwätzchen. Aus dem Email-Verkehr für meine Anmeldung wusste ich schon, dass die beiden nicht auf Englisch reden konnten (oder wollten). Die Unterhaltung war - schwierig. Ich danke Cécil und David (der etwas später kam) für ihre Langmut. Auch hier hätten die Kids nur zu gerne Kontakt zu mir aufgenommen. Es war mir leider nicht vergönnt auch nur Fragmente ihres Kinder-Französisch zu verstehen. Schade.

Später am Abend gab es ein leckeres Menü mit Kohlrabi mit Frischkäse, Linsensalat mit Apfel, Radi und diversen anderen Gemüsen, Käse und zum Abschluss Erdbeeren. Was für ein Genuss, nach dem ziemlich simplen und fleischlastigen Barbecue vom Vorabend. Mit den beiden war ich wesentlich mehr auf einer Wellenlänge, als mit Natalie und David. Sie sind z.B. sehr an Öko-Themen und an gesunder Ernährung interessiert. Weil sich die Essenszubereitung und das Essen selbst so lange hinzogen, fehlte mir spät abends die Energie und die Muße, noch den Tagesbericht zu tippen. Ich hätte es auch als unhöflich empfunden mich schon vorher in mein Tablet zu vertiefen und meinen Gastgebern keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken.