2018-05-21  Überlingen → Waldshut

4ter TagAbfahrt09:23Distanz99,61kmHm ↑1019m
4te EtappeAnkunft16:30Insgesamt390,37kmHm ↓1101m
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Hurra! Es gelingt mir wieder die gefahrenen Strecken von meinem Garmin herunterzuladen.

Mir ist aufgefallen, dass Garmin und gpsies deutlich abweichende Daten aus den Tracks extrahieren:

Ich werde mich in Zukunft auf die Angaben von gpsies beziehen, weil diese beeindruckender sind. smile

Wie schon am Vortag erledigte ich meine Tourenplanung erst am Morgen. Ich hatte reichlich Zeit dazu; gab es das Frühstück doch erst um 8:00 Uhr. Ich fand sogar Zeit die Kartendaten für die Schweiz, Ostfrankreich und das Burgund für OSMAND auf das Handy zu laden. Mir war nämlich aufgefallen, dass es sich nicht vermeiden lässt, dass ich auch schweizerisches Staatsgebiet berühren werde: Schaffhausen. Ostfrankreich und das Burgund haben damit natürlich nichts zu tun. Diese Daten brauche ich erst in ein paar Tagen. Aber weil ich schon dabei war…

Das Frühstücksbuffet im Hotel Römer war übrigens Klasse. Vom Preis-Leistungs-Verhältnis bisher der Spitzenreiter. Frischkäse mit Räucherforelle wird glaube ich ein neuer Aufstrich-Favorit von mir.

Um 9:20 ging’s los. Ich folgte zuerst dem beliebten Bodensee-Radweg Richtung Westen. Auf der Höhe von Spillingen gab’s einen Riesenschreck: Es gelang mir nicht mit dem rechten Fuß aus den Klickpedalen auszuklicken. Ich konnte gerade noch rechtzeitig das Gewicht nach links verlagern und links ausklicken. Ansonsten wäre ich hilflos mit dem Rad umgekippt. Des Rätsels Lösung: Das (der?) Cleat (also dieser Adapter an der Sohle des Fahrradschuhs) hatte sich gelockert. Eine der beiden Befestigungsschrauben stand schon deutlich hervor. Zum Glück war sie noch nicht verloren gegangen. Ich musste also mein Werkzeug auspacken um das (den?) Cleat nach Gefühl wieder zu justieren und festzuziehen.

Ich muss dazu sagen, dass ich die ersten beiden Etappen ein leichtes Ziehen im linken Knie verspürte. Durch die neuen Pedale konnte ich meinen Fuß nicht ganz exakt so ausdrehen, wie es mir angenehm gewesen wäre. Vielleicht nur 10 Grad haben gefehlt. Ich habe also am Abend des 2ten Tages die Cleats etwas gelockert und so verdreht, dass die Fußstellung angenehmer ist. Der Effekt war am dritten Tag auch sofort spürbar, bzw. es war eben nichts mehr zu spüren im Knie. Offensichtlich hatte ich die Schrauben der Cleats nicht fest genug angezogen.

Nach diesem kleinen Malheur setzte ich meine Fahrt entlang des Bodensees fort. Zuerst entlang der nervig stark befahrenen B34 und ab Espasingen ein paar Kilometer auf einem ruhigen, ebenen und gut asphaltierten Radweg durch ein Feuchtgebiet. Kurz hinter Wahlwies kam die erste Herausforderung.

20%

Ich gestehe, auch ich musste hier schieben. Endlich oben angekommen hatte ich auch schon den höchsten Punkt des Tages erreicht. Jetzt ging es einige Kilometer mehr oder weniger bergab. Am Horizont auffällige Tafelberge und noch weiter dahinter erste Gewitterwolken. Da ich ungefähr in diese Richtung wollte war ich etwas beunruhigt.

Etwas später lernte ich dann von einer Info-Tafel, dass es sich bei den auffälligen Bergen in dieser Gegend um Reste von Vulkanen aus Phonolith handelt. Der markanteste dieser Berge ist der Hohentwiel, den ich an seiner nördlichen Flanke passierte. (Hier stand auch die Info-Tafel.) Es war ausgesprochen hübsch in der Gegend.

Gewitterwolken

Ein paar Kilometer weiter passierte ich die schweizerische Grenze und nochmal nach ein paar Kilometern erreichte ich die Außenbezirke von Schaffhausen. Hier fand ich ganz zufällig das lauschige Platzerl, das ich am Vortag so sehnlich gesucht hatte. Ein kleiner Brunnen (mit Trinkwasser!) unter einer ausladenden Kastanie und dazu eine Bank. Sofort beschloss ich hier Rast zu machen. Endlich musste einer der Trimmis dran glauben.

Gemütliches Platzerl

Frisch gestärkt, mit ausgeglichenem Flüssigkeitshaushalt und gefüllten Wasserflaschen ging’s weiter. Zum Glück gestärkt: In Schaffhausen gibt es viele steile Straßen. Einmal schickte mich das Navi sogar auf einen (geschotterten) Fußweg, der gerade den Hang hinauf ging. Nur mit Mühe kam ich dort hoch - natürlich schiebend. 100m weiter dachte ich, dass ich schlauer bin als das Navi und gelangte auf eine Straße, an deren Ende nur Treppen nach oben oder unten führten.

Aber irgendwann hatte ich die Straßen von Schaffhausen hinter mir. Abschließend musste ich noch die “Eng” bewältigen, eine Engstellen zwischen zwei Bergen, zwischen die nur eine Bundesstraße, eine Bahnlinie und ein Fluss passen. Irgendwo dazwischen gibt es noch einen Radweg, auf dem zu fahren keinen Spaß machte. Aber da musste ich durch. Zum Glück dauerte diese Zumutung nur einen guten Kilometer. Danach ging es viele Kilometer auf gut ausgebauten Rad- oder Wirtschaftswegen immer mit leichtem Gefälle über Neukirch bis Trasadingen. Kurz hinter Trasadingen überquerte ich wieder die Grenze und war wieder in Deutschland.

Ich hatte die Grenze herbei gesehnt, weil es zunehmend nach Gewitter aussah und ich hoffte im Falle eines gewitterbedingten Abbruchs zumindest nicht in einer sündhaft teuren schweizer Unterkunft einkehren zu müssen.

Mehr Gewitterwolken

Auf deutscher Seite musste ich einen letzten Höhenrücken bewältigen. Dahinter traf ich bald auf die Wutach, die von einem Radweg begleitet wird, der mich fast bis hinunter zum Rhein brachte. Ich kannte die Wutach bisher nur als ungezähmten Wildfluss am Grund der Wutachschlucht. Hier jedoch war die Wutach ein zu Tode regulierter Kanal. Was für ein trostloser Anblick.

Trostlose Wutach

Trostlos war auch die Fahrt hinein nach Tiengen, einem Teil der Doppelgemeinde Waldshut-Tiengen. Auf verschlungenen Pfaden ging es durch endlose Industriegebiete. Irgendwann hatte ich dann endlich den Rhein erreicht.

Der Rhein bei Waldshut

Nach Waldshut musste ich dann wieder 30m gaaanz steil nach oben. Endlich am Ziel.

Jetzt musste nur noch eine Unterkunft her. Die Situation ist leider nicht so rosig wie in Überlingen. Neben zwei 3-Sterne-Hotels gibt es nur noch eine Herberge mit 8-Bett-Zimmern (recht weit außerhalb am Campingplatz) und eine Absteige mit Etagenduschen. Letztlich landete ich im Hotel Arina - ein steriles Business-Hotel etwas außerhalb, aber alles recht neu und modern (und nicht ganz so teuer, wie das etwas abgelebte 3-Sterne-Hotel direkt im Ortskern).

Nach Duschen und Wäschewaschen fuhr ich also die 2km zurück in die Stadt, für etwas Sight-Seeing und um etwas zu Essen. Das Sight-Seeing war schnell erledigt. Waldshut hat eine hübsche Hauptstraße…

Waldshut

… etwa 300m lang. Das war’s dann. Die drei Parallelstraßen sind nicht der Rede wert. Gegessen habe ich bei einem recht guten Italiener. Ich hatte den Eindruck, dass auch viele Schweizer zum Abendessen nach Deutschland kommen, um die für sie günstigen Preise zu nutzen.

Achja, das Wetter hat gehalten. Nach dem erwähnten letzten Höhenrücken hatte ich die beängstigenden Gewitterwolken hinter mir gelassen. In Waldshut war es bei meiner Ankunft sonnig und sommerlich warm. Erst bei meinem Abendbesuch im Ort zog ein Gewitter auf. Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig nach dem Essen zu bezahlen und geschwind zum Hotel zurück zu radeln, während schon erste schwere Tropfen vom Himmel fielen.