2018-06-15  Quimper → Plabennec

29ter TagAbfahrt08:25Distanz93,83kmHm ↑1317m
20te EtappeAnkunft15:40Insgesamt2290,90kmHm ↓1306m
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Die Bretagne gefällt mir landschaftlich wirklich gut. Nicht so eine durchoptimierte Agrarlandschaft, wie beispielsweise die Picardie, sondern kleinere Felder, viele Weiden, alles durchzogen von vielen Hecken und kleinen Baumgruppen. Je nach Gegend dann auch mal mehr oder weniger viel Wald. Trotzdem wird die Bretagne auf absehbare Zeit keine populäre Radler-Destination werden. Dafür ist sie einfach viel zu hügelig.

Zuerst musste ich das Stadtgebiet von Quimper hinter mich bringen. OSMAND hatte dazu eine Route vorgeschlagen, die sich durch kleine Sträßchen der Vororte schlängelt. Klein heißt hier auch immer steil. Nach 45 Minuten hatte ich endlich die D770 erreicht, der ich die folgenden 37km folgen sollte. Die ersten Kilometer noch etwas stärker frequentiert, ließ der Verkehr bald spürbar nach und es war ein bequemes Fahren. Die Steigungen hielten sich auch bis kurz vor Chateaulin in Grenzen. Erst dort ging es länger und steil bergab. Unten stieß ich auf das hübsche Örtchen Chateaulin

Chateaulin 1

Chateaulin 2

Etwas weiter im Ort Port-Launay kam der Hafen von Chateaulin.

Port Launay

Im Gegensatz zu Chateaulin ist dieser Hafen vom Meer aus noch ohne Schleusen erreichbar.

Aber was ich kurz vorher herunter rasen konnte, musste ich mich jetzt wieder hoch kämpfen. Nach Point-des-Buis das selbe Spiel: Zuerst eine lange Gefällstrecke (mit bis zu 50km/h) und dann eine lange Kletterpassage. Und so noch ein paar Mal in kleinerer Ausführung. Die zweite Hälfte der heutigen Strecke war definitiv bergiger.

Das heftigste Gefälle war nach Landerneau hinunter. 60km/h erreichte ich hier. Als ich die Ortsgrenze erreichte konnte ich nicht ausrollen lassen, sondern musste voll in die Bremsen steigen. Ich war erstaunt, in welch kurzer Zeit die Felgen durchs Bremsen so heiß werden können, dass man sie nicht mehr anfassen kann.

Ungefähr um 13:30 kam ich unten in Landerneau an. Ich nahm mir die Zeit für eine kleine Stadtbesichtigung. Ein paar recht hübsche Straßenzüge gibt es zu sehen.

Landerneau

Die Kirche hat (wie ich schon bei einigen anderen Kirchen auf der Strecke gesehen hatte) einen ganz eigentümlichen Glockenstuhl.

Glockenstuhl

Danach ging’s zum Einkaufen. Ich wusste nicht so recht, ob ich in der über warmshowers.org organisierten Unterkunft bekocht werden würde oder mich selbst versorgen müsste. Deshalb ging ich auf Nummer sicher. Die Lebensmittel transportierte ich im Rucksack auf dem Rücken. War nicht so angenehm. Mehr als die 15km nach Plabennec hätte ich das zusätzliche Gewicht auf meinem Hintern auch nicht ertragen wollen.

Etwa gegen 14:50 schrieb ich meiner Gastgeberin, dass ich etwa gegen 15:40 bei ihr eintreffen würde, was mir auch fast auf die Minute genau gelang. Erst dort stellte ich fest, dass die Dame auf meine SMS geantwortet hatte: Sie sei auf einer Radltour und würde nicht vor 18:00 zurück kehren.

Ich war einigermaßen konsterniert. Ich versuchte auf die Schnelle eine andere Übernachtungsmöglichkeit zu organisieren. Aber entweder waren die schon ausgebucht oder zu teuer. Also entschied ich mich letztendlich zu warten. Die Wartezeit überbrückte ich (mobiles Internet sei Dank) mit Organisatorischem für die kommenden Tage: Übernachtung in Roscoff, Überfahrt nach Plymouth, Übernachtung in Plymouth. Damit ging die Zeit recht schnell rum. Die Gastgeberin kam dann glücklicherweise doch schon um 17:30.

Nach und nach erfuhr ich auch die genauen Umstände mit dieser Übernachtungsmöglichkeit: Ich hatte eine gewisse Michelle kontaktiert, die auch recht zügig reagiert hat und mir mitgeteilt hatte, sie sei gerade auf dem Weg nach Italien. Sie müsse eine gewisse Edith kontaktieren, um zu sehen, ob ich nicht trotzdem in ihrem Haus unterkommen könnte. Ihr Haus sei während ihrer Abwesenheit über eine Organisation anderen Feriengästen zur Verfügung gestellt. Nach einer Weile hatte sie mich dann tatsächlich zurück gerufen und mir mitgeteilt, dass ich kommen könnte. Ich reimte mir das so zusammen, dass das Haus noch nicht von den Feriengästen genutzt wird und Edith eine Nachbarin oder Freundin ist, die mich für eine Nacht ins Haus lässt.

Tatsächlich war Edith der Feriengast. Sie hatte erst einen Tag vor mir das Haus bezogen, um während der Abwesenheit Michelle’s auf die Katzen, den Garten und das Haus aufzupassen. Dafür gab’s kostenlose Logis. Die beiden kannten sich vorher nicht, sondern waren über die Organisation Route de Sel in Kontakt gekommen. Und kaum hatte sich Edith einigermaßen mit den Umständen arrangiert, bekommt sie einen Anruf von Michelle, dass sie jetzt noch einen Gast von warmshowers.org aufnehmen sollte.

Im Rückblick konnte ich verstehen, dass sie wegen mir nicht ihre Tagesplanung umstellen wollte. Immerhin war sie ja auch gekommen, um hier ihre Ferien zu genießen. Wir sind aber ganz gut mit einander ausgekommen. Am Abend hat jeder seine Mahlzeit zubereitet und wir haben zusammen zu Abend gegessen. Dazu gab’s eine von Edith improvisierte Vorspeise, u.a. mit marinierten Zucchini.