2018-05-19  Dettenschwang → Leutkirch

2ter TagAbfahrt09:05Distanz108,09kmHm ↑1530m
2te EtappeAnkunft???Insgesamt204,91kmHm ↓1569m
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Obige Strecke ist eine Rekonstruktion. Sie wurde mit OSMAND erstellt anhand der folgenden Aufzeichnungen und der für die Etappe geplanten Route. Die tatsächlich aufgezeichnete Strecke ging beim Herunterladen vom Garmin verloren.

Heute bin ich nach einer Route gefahren, die ich mir am Abend vorher auf OSMAND (Android-App für OpenStreetMap) habe ausrechnen lassen. Ich lud vor dem Start die Route auf meinen Garmin und wies das Gerät an, dieser Route zu folgen. Das klappte schon viel besser, als das doch arg problematische Routing des Garmin.

Der Tag fing aber erstmal mit einem Lapsus an. Um 9:05 war ich gut erholt und guten Mutes in Dettenschwang aufgebrochen. Nach gut 3km stellte ich fest, dass ich meine Trinkflaschen vergessen hatte. Keine Frage: Umkehren. Die Dinger sind absolut unentbehrlich. Daher ist die Strecke ca. 6,2km länger, als auf gpsies.com angegeben.

Um 9:30 startete ich ein 2tes Mal vom Ferienhof Birkenau. Nach der Überquerung des Lech merkte ich schnell, was das Thema des heutigen Tages sein sollte: Rauf und runter.

Lech

Wer das Allgäu von Ost nach West durchquert kreuzt ein Flusstal nach dem anderen - und alle Flüsse fließen von Süd nach Nord. Und zwischen den Flüssen liegen Höhenrücken. Alles klar? Von den vielen zum Teil heftigen Steigungen abgesehen war die Etappe aber ein landschaftlicher Genuss. Das Allgäu ist wirklich sehr lieblich. Die Route folgte fast ausschließlich kleinen Nebenstraßen, was zum Genuss beitrug.

Kapelle

Dorf

Kurz hinter Aufkirch führte mich die Route auf eine ehemalige Bahnstrecke, die man zum Radlweg umgebaut hatte. Sowas ist immer sehr angenehm. Dieses Schmankerl führte mich fast bis Kaufbeuren.

In Kaufbeuren fragte ich mich zur Sparkasse durch. Eine Frau (ca. 40 Jahre) wollte gleich wissen, wo ich herkomme und wo es noch hingeht und war tief beeindruckt. Sie hat dann von einer Radltour in ihrer Jugend erzählt, bei der sie mit Freunden zuerst von Kaufbeuren nach Korsika geradelt sind. Auf dem Rückweg sind sie über die Schweiz gefahren und haben dort noch diverse 4000er bestiegen. Respekt!

Kaufbeuren ist ein hübsches Städtchen. Da würde ich gerne nochmal hin. Im Umland kann man Wandern und auf der erwähnten ehemaligen Eisenbahnstrecke Inline-Skaten. Nachdem ich mich wieder mit Bargeld versorgt hatte war es garnicht so einfach wieder auf die von OSMAND berechnete Route zu gelangen. Ich musste sogar auf einem steilen Fußweg hochschieben. Weil es sich anbot kaufte ich gleich beim Penny ein. Den Eimer Joghurt (1 Liter) verspeiste ich gleich an Ort und Stelle. Das hielt überraschend lang und der Durst war auch längere Zeit gestillt.

Von Kaufbeuren aus ging’s erstmal Richtung Süden bis Apfeltrang, wo ich wieder Richtung Westen abbog und gleich wieder die nächste mörderische Steigung bewältigen musste. In Ebersbach stand was von einer Sperrung. Da auf dieser Straße gleich zu Beginn ein großer Kran stand (an dem ich aber ohne Probleme mit meinem Rad vorbei kam) dachte ich, das Thema sei damit erledigt. Erst 2km später kam die richtige Sperrung.

Sperrung

Da ich bis dahin schon einige Höhenmeter abgebaut hatte, wollte ich auf keinen Fall umkehren. Das wollte ich nicht nochmal hochstrampeln müssen. Die erste Sperre (siehe Bild) umfuhr ich einfach. Ein paar 100m weiter kam eine zweite Sperre. Mit rot-weißem Flatterband hatte man die gesamte der Breite der Fahrbahn von einem Baum zum anderen mehrfach als gesperrt markiert. Da hatte sich jemand wirklich Mühe gegeben. Vorbei fahren wäre wirklich schwierig geworden. Zudem begann danach eine Schotterpiste - der Asphalt war weg. Unter normalen Umständen ignoriere ich als Radfahrer Umleitungen. Irgendwie kommt man da schon durch. Aber in diesem Fall hatte ich echt Hemmungen.

Ich konsultierte wieder OSMAND (auf dem Handy) und tatsächlich bot es mir einen Waldweg an, über den ich den nächsten Ort (Obergünzburg) auf meiner Route erreichen können sollte. Also probierte ich den in der festen Überzeugung, dass die Informationen von OpenStreetMap bisher immer recht zuverlässig waren. Diesmal leider nicht. Der Waldweg mutierte über einige Zwischenstufen (Wurzelwege) zu einem schmalen teils überwachsenen Pfad. Zusätzlich ging es richtig steil bergab. Fahren war unmöglich. Selbst schieben war anspruchsvoll, weil das Hinterrad beim Bremsen ständig blockierte und wegrutschte. Zusätzlich war der Pfad zu schmal für mich und mein Fahrrad daneben. Mal musste ich durch die Botanik, mal das Rad.

War ich froh, als ich endlich die ersten Häuser von Obergünzburg erreichte. Immerhin hatte ich es vermieden wieder viele Höhenmeter bergauf fahren zu müssen.

Es folgte der längste und teilweise recht steile Anstieg des heutigen Tages. Erst bei Eschers auf ca. 900m Höhe hatte ich den höchsten Punkt des Tages erreicht. Am dortigen Wasserspeicher machte ich erstmal Brotzeit. Die Bananen waren lecker. Aber die Semmeln bekam ich nicht runter. Ich war zu dehydriert. Im nächsten Ort fragte ich ein paar Leute, ob sie mir meine Wasserflaschen auffüllen könnten. Die Frau aus der Gruppe kam gleich mit zwei Flaschen Mineralwasser daher. Ich erklärte ihr, dass normales Leitungswasser auch reichen würde. Aber sie blieb beim Mineralwasser. Ich hab dann noch ein bisschen mit denen ‘gschwätzt’ über das wohin und woher. Nette Leut!

Etwa 3km westlich der A7 ging die kleine Nebenstraße in einen Schotterweg über. Da dieser Schotterweg auch noch mordssteil war, beschloss ich über Bad Grönenbach auszuweichen. Insgesamt etwa 3km Umweg. Auch auf der Umgehung war eine saftige Steigung (15%) zu bewältigen. Langsam keimte in mir das Gefühl auf doch bitte endlich Leutkirch zu erreichen.

Nach der Überquerung der Iller war ich ganz überrascht, dass nicht gleich die nächste happige Steigung auf mich wartete. Der Charakter der Landschaft änderte sich deutlich. Es war hier nur noch wellig statt hügelig. Aber ein paar Steigungen waren trotzdem noch geboten - halt nicht mehr so lang und so steil.

Kurz vor Leutkirch

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt änderte sich auch das Wetter. Vormittags war es ausgesprochen sonnig. Ab Mittag (ungefähr ab Kaufbeuren) kam dann recht plötzlich eine hohe Schichtbewölkung mit darunter liegenden Quellwolken auf. Aufgrund der eingeschränkten Sonneneinstrahlung konnten sich die Quellwolken aber nicht zu Gewitterwolken entwickeln. Im Grunde ein recht angenehmes Wetter zum Radeln. Aber ab der Iller wurde es dann doch gewittrig. Es begann zu regnen. Wenige, aber schwere Tropfen. Die letzten 5km bis Leutkirch entwickelten sich zum Wettlauf gegen das sich anbahnende Gewitter.

In Leutkirch suchte ich eine Unterkunft, die nicht an der Hauptstraße liegt. In der Kürze der Zeit fand ich nichts. Die “Linde” hatte zu, also entschied ich mich für die “Post”. Vor dem Eingang (ich wollte grad mein Rad anschließen, es regnete mittlerweile grenzwertig, so dass ich gerade noch ohne Regenjacke auskam) begegnete ich dem Koch und er konnte mir bestätigen, dass noch Zimmer frei seien. Außerdem zeigte er mir, wo die Garage sei, in der ich mein Fahrrad abstellen könnte. Ich hatte wirklich gerade die Garage erreicht, als es wie aus Eimern goss mit Blitz und Donner dazu. Zum Hotel waren es vielleicht 30m die ich 2mal hin und 1mal zurück bewältigen musste. Das hat schon gereicht um ordentlich nass zu werden.

Nach Dusche und Wäschewaschen wollte ich eigentlich Essen gehen. Aber ich hatte noch die zwei Semmeln und den Camembert, die von der missglückten Mittagsbrotzeit übrig geblieben waren. Als ich die gegessen hatte war ich so satt, dass ich auf ein anständiges Abendessen verzichtet habe. Dafür hatte ich mehr Zeit diesen Bericht zu verfassen.